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Virtuelle Trainings – Stolpersteine und Expertentipps

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Marcel-Michael Prager | Head of Excellence

calendar

22.06.2020

time

5 min.

Wir alle sind es mittlerweile gewohnt, viel Zeit in sogenannten virtuellen Meetings zu verbringen. Wir führen 1:1 Gespräche, halten Meetings mit mehreren Personen ab, teilen Präsentationen usw. – alles online. Diese virtuelle Form der Interaktion ist praktisch, wenn auch manchmal etwas anstrengend, da sehr intensiv.

Noch etwas komplexer wird es dagegen, wenn nicht nur normale Besprechungen, sondern ganze Trainings-, Coaching- oder Schulungsformate in den virtuellen Raum verschoben werden sollen. Da sind die Anforderungen anders gelagert, und es gilt, Wissen in möglichst leicht verdaulicher Form zu transportieren und zu vermitteln – Kreativität und neue Tools, welche Flipchart und Post-it ersetzen, sind gefragt. Das ist keine leichte Aufgabe. Wenn man es richtig macht, kann diese Online-Trainingsform viele Chancen und grosses Potenzial bieten.

Im bereits publizierten Blogartikel mit dem Titel «Virtuelle Trainings- und Coachingformate - ein echter und nachhaltiger Gewinn» haben wir uns mit den Vorteilen dieser neuen Online-Trainingsform befasst.

Natürlich kann es bei dieser Trainingsform auch Schwierigkeiten geben. Welche  Gefahren und Risiken mit der Transferierung von vor Ort Gruppentrainings hin zu rein virtuellen Trainings oder hybriden Trainingsformen (teils online, teils vor Ort) einhergehen können, wollen wir in diesem Artikel eingehen und Ihnen zeigen welche Stolpersteine man bei der Planung und beim Einsatz von virtuellen Trainings achten sollte.

Obwohl Online-Trainingsformate viele positive Aspekte (...) beinhalten, müssen Sie sich (...) bewusst sein, welche Stolpersteine es zu berücksichtigen gibt.

Obwohl Online-Trainingsformate viele positive Aspekte beinhalten  - so zum Beispiel ein besserer Fokus, grössere Flexibilität, effiziente Zusammenarbeit in der Gruppe, mehr Nachhaltigkeit, müssen Sie sich als Verantwortliche/r in einem Unternehmen auch bewusst sein, welche Stolpersteine es zu berücksichtigen gibt.

Im Folgenden möchte ich Ihnen aber auch zeigen, wie sie diesen negativen Faktoren geschickt vorbeugen können. Zu jeder möglichen Gefahr, die ich selber auch aus der Praxis nur zu gut kenne, habe ich einen Expertentipp formuliert.

  • Energieverlust
    Im Gegensatz zum vor Ort-Training sitzt im Online-Training jeder Trainingsteilnehmende und -leitende für sich alleine vor dem Bildschirm auf seinem mehr oder weniger bequemen Stuhl. Stundenlang in einen Bildschirm zu schauen und stets fokussiert mitzuarbeiten und Lerninhalte aufzunehmen, kann ganz schön anstrengend sein. Da kommen im Vor Ort-Training Ablenkungen von Zeit zu Zeit ganz gelegen! Auch fordern die virtuellen Kollaborationsformen extreme Konzentration. Das kann schnell zur Ermüdung der Teilnehmenden führen, was der Online-Trainer nicht so unmittelbar mitbekommt, weil er sich nicht im gleichen Raum befindet. In einer Gruppe können sich die einzelnen Teilnehmenden gegenseitig motivieren, und es kann eine belebende Energie entstehen, die alle mitreisst. Dieser Faktor fehlt in einem virtuellen Format oder ist zumindest nicht so ausgeprägt, wenn man nicht bewusst darauf achtet.

    Expertentipp: Das Online-Training muss unbedingt abwechslungsreich und kurzweilig aufgebaut sein. Wechseln Sie zwischen Einzel- und Gruppenarbeiten und Frontalunterricht regelmässig ab und sorgen Sie unbedingt für genügend Pausen, in denen sich die Teilnehmenden regenerieren können. Machen Sie bestenfalls innerhalb jeder Stunde ca. 10 Minuten Pause, ansonsten sinkt die Aufnahmefähigkeit schnell ab. Auch lohnt es sich, bspw. den Energie-Level von Zeit zu Zeit zu messen, indem die Teilnehmenden ein Votum in Form eines Emojis oder eines Zahlenwerts abgeben müssen. So können Sie ein Gefühl für die Stimmung und das Energielevel in der Gruppe entwickeln, ohne mit den Teilnehmenden im selben Raum zu sitzen. Auch sehr wichtig ist es, bewusst darauf zu achten, dass jeder und jede genügend Flüssigkeit zu sich nimmt. Ein entsprechender kleiner Hinweis zu Beginn des Trainings wirkt freundlich und fürsorglich.


    Zum Pausenstart laden wir dazu ein, nicht am PC sitzen zu bleiben, sondern stattdessen bewusst eine kurze körperliche Aktivierung durchzuführen.

    Das PIDAS Online-Trainings-Center/die virtuelle Umgebung verfügt über Outdoor Lounges und grenzt virtuell direkt ans Meer. Einige Gruppenübungen werden bewusst in diesen virtuellen Outdoor Bereichen abgehalten, um die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden hoch zu halten. Das Trainingsdesign macht 50 % des Erfolges aus. Weitere 50 % eines erfolgreichen, energetischen virtuellen Trainings ist die technische Plattform, die verwendet wird.

  • Ablenkung
    Je nach räumlicher Situation können sich die Teilnehmenden im virtuellen Raum sogar leichter ablenken lassen, als das in einer Workshop- oder Gruppenarbeitssituation mit vielen Leuten der Fall ist. Befindet man sich fürs Training beispielsweise im Home Office, kann es vorkommen, dass Familienmitglieder hereinplatzen oder es an der Tür klingelt. Möglichkeiten für eine Störung gibt es da viele. Aber nicht nur externe Faktoren können ablenkend wirken. Schon die Tatsache, dass das Training am PC oder Laptop stattfindet, kann hier einen negativen Einfluss haben. Wie schnell ist man versucht, nur rasch mal nebenbei seine E-Mails zu checken oder sich kurz mit dem Arbeitskollegen, der ebenfalls am Training teilnimmt, per Chat auszutauschen. Und schon sind Konzentration und Fokus weg.

    Expertentipp:
    Es ist wichtig, den Teilnehmenden vorab zu vermitteln, dass sie sich ganz bewusst auf das Online-Training vorbereiten, wie sie es auch bei einem vor Ort-Training tun. Ablenkungen müssen so weit wie möglich unterbunden werden. Die Lernsituation muss passen. Der Fokus gehört – ausser in den Pausen – voll auf das Training, auch wenn vor Ort keine «Kontrolle» durch Trainer und Gruppe vorhanden ist. Falls es im Home Office Umfeld nicht möglich ist, für den vorgesehenen Trainingszeitraum die benötigte Ruhe zu schaffen, sollten die Teilnehmenden die Option haben, sich wenn es die Vorschriften nicht anders erlauben, einzeln in ein Sitzungszimmer einzuquartieren oder in einen sogenannten Quiet Rooms, den viele Unternehmen heute anbieten und der sich optimal dafür eignet.

  • Personen «gehen unter»
    Jede Trainingsgruppe besteht aus aktiveren extrovertierteren und vielleicht eher zurückhaltenden Teilnehmenden. Schon bei einem Training vor Ort kann es für den Trainer schwierig sein, alle Teilnehmenden gleichermassen zu involvieren und zu berücksichtigen, bzw. zu verhindern, dass nicht immer die Gleichen das Wort haben. Beim virtuellen Training gestaltet sich die Situation noch etwas schwieriger, denn Zwischenbemerkungen oder kleine Zeichen und Gesten, dass man etwas sagen möchte oder etwas nicht verstanden hat, bleiben im virtuellen Raum unbemerkt. Man kommt nur dann zu Wort, wenn man sich aktiv und explizit meldet und oder wenn man vom Trainer direkt dazu aufgerufen wird. Zurückhaltende Personen können leicht zu kurz kommen und gewissermassen vergessen gehen, was dann auch dazu führen kann, dass sie sich quasi mental aus dem Training ausblenden und den Fokus verlieren.           

    Expertentipp: Der Trainer fungiert im virtuellen Training gleichzeitig als Moderator und muss darauf achten, dass er die Teilnehmenden ausgeglichen ins Geschehen involviert und ihnen entsprechend Redezeit zuteilt, bzw. sie aktiv anspricht, wenn sie sich nicht selbst melden. Um die Übersicht zu behalten, ist es sinnvoll, dass der Trainer eine Teilnehmerliste vor sich hat, wo er sich jeweils kurz einen Strich macht, vielleicht mit einem Vermerk der Redezeit, wenn jemand sich einbringt. So sieht er auf einen Blick, wer auf der Liste noch nicht zu Wort gekommen ist, und wer schon sehr viel Redezeit beansprucht hat.    

  • Technische Überforderung
    Nichts ist störender, als wenn ein Training wegen technischer Probleme nicht vorangehen kann und schon wertvolle Zeit mit technischen Abklärungen verplempert wird, bevor das Training überhaupt starten kann. Das kann vor Ort auch vorkommen, ist jedoch weit häufiger der Fall im Online-Training. Nicht jede Person kennt sich gleich gut aus mit neuen digitalen Tools und ist technisch gleich affin. Das hat oft wenig zu tun mit der Generation, also dem jeweiligen Alter, sondern vielmehr damit, wie die Interessen gelagert sind und ob jemand generell Berührungsängste hat, wenn es um Technik geht.

    Expertentipp:
    Alle Teilnehmenden müssen vorab bestätigen, dass sie die im Training verwendeten Tools beherrschen oder aber sie müssen entsprechend geschult werden, und zwar nicht erst 5 Minuten, bevor das Training beginnt. Auch muss vorher gecheckt werden, dass bei allen die im Training benutzten Tools auch mit den notwendigen Rechten installiert sind und funktionieren. Hier lauern teilweise auch Hürden in Form von IT-Richtlinien, die je nach Policy bestimmte Softwares oder Downloads nicht erlauben. Daher unbedingt vorher abklären oder die notwendige Einwilligung einholen.

    Bei Trainingsbeginn sollten also alle technisch auf dem gleichen Stand sein und die gleichen Voraussetzungen haben. Sonst besteht hier viel Potenzial für Frust bei allen Teilnehmenden, sowohl bei denen, wo es funktioniert, als auch bei den anderen.

Gute Vorbereitung zahlt sich aus

Natürlich gibt es in Online-Trainings und -Coachings einige Stolpersteine, die beim vor Ort-Training vielleicht nicht oder weniger oft vorkommen. Dennoch sollten wir uns davon keineswegs abschrecken lassen, denn die Vorteile der neuen Formen überwiegen deutlich. Es gilt ganz einfach, sich bewusst zu machen, dass wie bei so vielen Dingen eine gute Vorbereitung sowohl von Trainern als auch Teilnehmern essenziell ist für das Gelingen des Unterfangens. Startet man gut vorbereitet ins Training, wird der nachhaltige Erfolg nicht auf sich warten lassen.

Ich habe auf diesem Gebiet nachweislich Top Erfahrungen sammeln können und bin sehr gerne bereit, Ihnen weitere wertvolle Tipps für die erfolgreiche Gestaltung Ihres individuellen Online-Trainingsformats zu geben. Ich hoffe, ich konnte Ihnen zeigen, dass Online-Trainings sehr viel Potenzial haben, auch nach Corona. 

Gerne beraten wir Sie persönlich und unterstützen Sie dabei, Ihre vor Ort-Trainings individuell und erfolgreich in den virtuellen Raum zu transferieren. In diesem Zusammenhang begleiten wir unter anderem auch gerne ihre bestehenden Präsenztrainer bei ihrer Entwicklung zum Onlinetrainer. Hier können wir unsere gesamte Erfahrung und Kompetenz im Bereich Beratung, Change und Transformation optimal für Sie einsetzen. Buchen Sie gerne direkt bequem online einen Termin für ein unverbindliches Erstgespräch.

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Marcel-Michael Prager

Marcel-Michael Prager

Head of Excellence

Nachhaltige gemeinsame Entwicklung der Mitarbeiter und Führungskräfte zu High Performance mit Spass und Freude an der Arbeit – ist meine Begeisterung. Pragmatische Ausbildungs-, Qualitätssicherungs- und Kulturchange-Programme, basierend auf der Strategie und mit Fokus auf den Mensch, stellen die Basis für unseren Erfolg dar.

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